Die imposanten Prunkgräber der Xiongnu gehören fast ausnahmslos in das 1. Jahrhundert n. Chr., in eine Spätphase des Xiongnu-Reiches. Davon, welche Macht und welchen Reichtum die Elite der Xiongnu erreichte, vermitteln die Ausgrabungen in Gol Mod oder die von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Forschungen in Noin-Ula. Offensichtlich war es erst in dieser Spätzeit notwendig geworden, die Elite in derart pompös angelegten Gräbern zu bestatten, ein Verhalten, das vermutlich ausgelöst und angespornt wurde durch interne Konkurrenz einerseits und intensive Kontakte mit China andererseits. Anhand der Schriftquellen lässt sich diese Veränderung im Verhalten nicht ablesen.
Während bislang sämtliche Gräber, deren materielle Kultur so aussah, als könnten sie den Xiongnu zugewiesen werden, in die Zeit bis zum politischen Ende des Steppenreiches, also bis spätestens an den Beginn des 2. Jahrhunderts datiert wurden, konnte mit Hilfe der Radiokarbondaten gezeigt werden, dass einige dieser Gräber auch noch in das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. gehören, in eine Zeit also, nachdem die Xiongnu politisch bereits keine Rolle mehr spielten.
Eine ganz neue Richtung nahmen meine Forschungen, als ich entdeckte, dass die ältesten Daten, die mir das Radiokarbonlabor lieferte einen sogenannten Reservoireffekt aufzeigen. Die Daten, die aus Menschenknochen gewonnen wurden, sind um etliche hundert Jahre zu alt, wie ein Vergleich mit Daten aus Tierknochen und anderen Materialien zeigte. Reservoireffekte bei Radiokarbondatierungen können auftreten, wenn altes Karbon in die Nahrungskette gelangt. Dies ist beispielsweise bei einer fischreichen Ernährungsweise der Fall. Hier schließen sich derzeit weitere Untersuchungen an, die noch andauern. In jedem Fall rührt diese Untersuchung an einer Grundkonstante des in antiken Schriftquellen, chinesischen wie westlichen, kolportierten Topos über den Nomaden, der fortwährend auf dem Ross sitzt und sich ausschließlich von Fleisch ernährt, das er unter dem Sattel weich reitet. Über Fischerei erfahren wir aus den Schriftquellen nichts.
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