L.I.S.A.: Herr Professor Spannagel, Sie lehren an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg unter anderem computerunterstütztes Lernen. Was genau verstehen Sie darunter? Sitzen bald alle Schüler im Unterricht mit einem Laptop oder Tablet-PC in der Klasse? Haben Sie etwas gegen Bücher?
Prof. Spannagel: Computerunterstütztes Lernen ist jegliches Lernen, bei denen Computer zum Einsatz kommen. Eigentlich ist der Begriff auch schon veraltet - denn was ist heute ein “Computer”? Vielleicht spricht man heute besser von “IT-gestütztem Lernen”, also Lernen unter Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Hierzu zählen neben dem klassischen Desktop-Computer auch Netbooks, SmartPhones, Tablet-PCs, E-Book-Reader usw. Eine immer wichtigere Rolle spielt dabei das Web: Lernen findet in zunehmendem Maße mit und im Internet statt.
Selbstverständlich habe ich nichts gegen Bücher oder Kreidetafeln - ich verwende selbst beides noch sehr gerne. Jedes Medium hat Vor- und Nachteile, und man muss je nach Lernzielen, Lerninhalten, Lerngruppen und sonstigen Aspekten des Lernkontexts entscheiden, welche Medien zum Einsatz kommen sollen und welche nicht. Ich vermute aber, dass Bücher immer weiter zurückgedrängt werden von eBooks oder digitalen Materialien. Und letztlich ist das auch gut, weil Schüler dann nicht mehr schwere Schulranzen mit Büchern durch die Gegend schleppen müssen, die oft noch nicht mal am jeweiligen Tag benutzt werden.
Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass bald alle Schülerinnen und Schüler an ihrer Schulbank Technologien haben, mit denen sie bei Bedarf ins Internet gehen oder Anwendungsprogramme, die in ihrem Lernkontext wichtig sind, verwenden können. Heute muss man an vielen Schulen in den Computerraum wechseln - das ist lästig und organisatorisch oft eine Schwierigkeit. Viel besser wäre es, wenn Schüler den Computer (ob das zukünftig dann Laptop, Netbook oder Tablet-PC oder irgendwas anderes ist, wer weiß) einfach am Platz aus der Tasche holen können, wenn sie ihn brauchen, und anschließend dort wieder verschwinden lassen können.
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