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L.I.S.A.video | 10.04.2013 | 3516 Aufrufe | Georgios Chatzoudis

Nie wieder störungsfrei! Aachen Avantgarde seit 1964 (Deutschland)

EPISODE 2 | Wer oder was ist ZADIK?

Auf der Suche nach Spuren des berühmt-berüchtigten Fluxus-Festivals 1964 in Aachen macht sich Myriam Kroll auf den Weg nach Köln. Ihr Ziel: Das Programmheft der Fluxuskünstler im Original. Vielleicht kann ZADIK helfen?

Im Mittelpunkt eines am Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst unter der Leitung von Dr. Brigitte Franzen angesiedelten Forschungsvorhabens stand die Entwicklung der rheinischen Kunstszene und ihrer überregionalen Ausstrahlung seit den 1960er Jahren, als sich in Aachen eine überraschend progressive kulturelle Szene herausbildete. Ziel des von Dr. Annette Lagler und Myriam Kroll durchgeführten Projekts war es, als ortsbezogene Mikrogeschichte den Prozess der lebendigen und experimentellen Szene einer Zeit zu dokumentieren, in der Aachen vermutlich mitbestimmend für die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in Deutschland war. Neben Aachen boten auch Städte wie Darmstadt, Krefeld, Wiesbaden, Kassel, Wuppertal und Baden-Baden den Nährboden für eine kritische Opposition und ermöglichten Ereignisse und Projekte, die anderswo undenkbar gewesen wären. Dass die künstlerischen Avantgarden der 1960er und 1970er Jahre in Westdeutschland kein Metropolenphänomen waren, hat dabei sicher auch mit der Teilung Deutschlands und dem Verlust der Hauptstadtmetropole zu tun. Im Rahmen des Projekts sollte daher insbesondere die Frage verfolgt werden, welche Kriterien erfüllt werden mussten, um Kunst und Kultur an einem bestimmten Ort florieren zu lassen. Auf der Grundlage von bislang nicht erschlossenen Materialien in öffentlichen und privaten Archiven, Zeitzeugen-Befragungen und Untersuchungen von privaten Aachener Sammlungen sollten Forschungslücken geschlossen und die künstlerischen, sozialen, kulturellen und politisch bestimmenden Diskurse jener Zeit in den Blick genommen werden.

Den institutionellen und persönlichen Rahmen für die Entwicklung Aachens zu einem der innovativsten Kunstorte der Bundesrepublik bildeten die Technische Hochschule, die utopischen Ideen gegenüber aufgeschlossene, von Gottfried Böhm bestimmte Architektur-Fakultät sowie eine experimentelle junge Kunstszene, die neue Formen von Öffentlichkeit suchte und gattungsübergreifend gesellschaftliche Prozesse mitbestimmen wollte. Es galt, die immer noch spürbare Kunstdoktrin des Dritten Reiches zu überwinden und der zeitgenössischen Kunst, aktuellen Ideen und letztendlich der Gesellschaft zu einer neuen Offenheit zu verhelfen.

Wichtige Etappen waren das legendäre „Festival der Neuen Kunst 20. Juli 1964“ im Audimax der Technischen Hochschule Aachen, unter Beteiligung internationaler Fluxuskünstler wie Joseph Beuys, Wolf Vostell und Nam June Paik, dann der weit über die Stadtgrenzen hinaus wirkende Kunstverein „Gegenverkehr“, die ersten beiden Präsentationen von Gegenwartskunst der Sammlung Ludwig und die Eröffnung der „Neuen Galerie“. Die Kunst der 1970er Jahre bestimmte das Gesicht des neuen Museums: hyperrealistische Figuren, fotorealistische Malerei, neoabstrakte und konzeptuelle Kunst spiegelten den Stilpluralismus der Zeit. Während das weitreichende Engagement des Sammlerpaares und vor allem seine Kunstsammlung wesentliche Bestimmungspunkte in der Kunstgeschichte setzten, lag der Schwerpunkt des Ausstellungsprogramms von Direktor Wolfgang Becker auf einer entgrenzten Aktionskunst, Performance und neuer Medienkunst.

 

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Homepage der Gerda Henkel Stiftung.

Projektleitung:

Dr. Annette Lagler

Ort:

Deutschland, Aachen

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