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Can Tunc | 21.10.2013 | 4195 Aufrufe | 2 2 Kommentare | Diskussionen

Zukunftsorte Europas: Der Mittelmeerraum

Eine Veranstaltungsreihe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Der Mittelmeerraum war und ist für viele Menschen nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern seit Jahrhunderten eine Quelle intellektueller, kultureller und wissenschaftlicher Inspiration. Aktuell ist die Wahrnehmung des Mittelmeerraums vor allem mit Stichworten wie Krise, Konflikt und Protestbewegungen verbunden. Doch ist nicht vielleicht die „Krise des Südens“ auch ein Ausgangspunkt für neue Impulse in der Region und für die Europäische Union?

Podiumsdikussion mit Prof. Dr. Rémi Brague und Prof. Dr. Claus Leggewie

Videoreihe "Zukunftsort Europas - Jahresthema BBAW"

Rémi Brague - Mittelmeer als Mythos

Der französische Philosoph Rémi Brague („Europa: Eine exzentrische Identität“) zeigt mit seiner ideengeschichtlichen Perspektive auf, wie das Mittelmeer seit Jahrzehnten Träumen verschiedenster Färbung Vorschub leistet, wobei die Mythisierung der Vergangenheit eine rosafarbige Zukunft des Dialogs der Kulturen plausibel machen soll. Ein Blick auf die wirkliche Geschichte dieses Raumes zwingt einen zu einer nüchterneren Sicht unserer vergangenen, heutigen und möglichen Lage.

Claus Leggewie - Zukunft im Süden? Für einen neuen Regionalismus in Europa

Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie, Autor des Buches „Zukunft im Süden“, analysiert die aktuelle Problematik des Südens, lange Zeit die bevorzugte Himmelsrichtung der Deutschen. Mittlerweile gilt die mediterrane Peripherie als Problem- und Gefahrenzone. In seinem Vortrag beleuchtet er Themen, Institutionen und Instrumente einer neuen "Süd-Politik" und skizziert ein neues Europa der Regionen als Alternative zu Zentralismus und Postdemokratie.

Einführung ins Thema

Moderator Ilyas Saliba, Kollegiat des Studienkollegs zu Berlin 2012/13

Begrüßung

Prof. Dr. Christoph Markschies, Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Alle Vorträge im Audiostream

Begrüßung von Prof. Dr. Christoph Markschies

Thematische Einführung von Ilyas Saliba

Vortrag von Prof. Dr. Rémi Brague

Vortrag von Prof. Dr. Klaus Leggewie

Diskussion mit Prof. Dr. Rémi Brague und Prof. Dr. Klaus Leggewie

Europa in der Krise

Die Europäische Union erlebt mit der Euro-, Staatsschulden- und Wirtschaftskrise in einigen Mitgliedsländern die größte Herausforderung seit ihrer Gründung. Dabei beziehen sich die Krisensymptome nicht allein auf den Bereich des Wirtschaftlichen. Die Unterstützung der Bürger für das europäische Projekt ist rückläufig, nationale Stereotype feiern eine nicht geahnte Renaissance, die kulturellen Gemeinsamkeiten, die die Grundlage für Vertrauen und Solidarität zwischen den Ländern der EU bilden könnten, scheinen schwächer zu sein als vermutet. Während manche Beobachter das Projekt Europa schon als gescheitert betrachten und eine Stärkung der Nationalstaaten fordern, sehen andere die Zukunft und die Lösung der Krise nicht in einem Weniger, sondern gerade in einem Mehr an Europa. Sie fordern eine weitere Vertiefung der Europäischen Union, eine einheitliche Wirtschafts- und Sozialpolitik und endlich auch eine Demokratisierung Europas.

 

Welches sind die Ursachen der anhaltenden Krise und welche wirtschaftlichen und politischen Lösungen sind aus wissenschaftlicher Perspektive notwendig? Welche davon sind wahrscheinlich? Und wie ist es um die historischen und kulturellen Voraussetzungen eines gemeinsamen Europas bestellt? Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt der Vortragsreihe, die sowohl von Mitgliedern der Akademie als auch von Gästen bestritten wird. Mit den Vorträgen leistet die Akademie einen Beitrag zu den aktuellen Debatten über die Zukunft der Europäischen Union und versucht zugleich, diese durch das Einspielen wissenschaftlicher Perspektiven aus verschiedenen Disziplinen zu versachlichen.

Kommentar

von Marcus Cyron | 21.10.2013 | 21:30 Uhr
"Doch ist nicht vielleicht die „Krise des Südens“ auch ein Ausgangspunkt für neue Impulse in der Region und für die Europäische Union?"

Nach der Logik müßte derzeit Deutschland nach seiner Krise von vor einigen Jahren ein kulturelles Feuerwerk abgebrannt haben. Sehe ich leider nicht. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall. Die Kultur verarmt und ähnlich wie in Deutschland wird das, was erst einmal weg ist auch nicht wieder kommen.

Italien etwa gräbt ja eh schon lange am eigenen Erfolg und unterhöhlt das Fundament der Kultur - unter dem Deckmantel die Kultur zu schützen, aber eigentlich nur, um mit dem was noch da ist richtig Geld zu machen. Bis hin zur Überlegung gar antike Kunstwerke zu Gunsten des Staatshaushaltes zu verkaufen. Gleichzeitig darf man nicht mehr in staatlichen Sammlungen fotografieren, was eine Verbreitung der Kultur massiv erschwert.

Kommentar

von Quentin Quencher | 28.10.2013 | 09:52 Uhr
Erst einmal vielen Dank dafür, dass diese Veranstaltung hier im Video zu sehen ist. Hier nur ein Wort zu Leggewie, wenn er in Hinblick auf »Agamben« von einem „falschen Gebrauch von Geschichte“ spricht, erzeugt dies bei mir heftiges Unwohlsein. Dass Claus Leggewie weiß was der richtige Gebrauch von Geschichte ist, das wird deutlich. Nämlich die Geschichte so zu interpretieren, dass sie seiner Agenda vom Umbau der Gesellschaft, oder Transformation wie im WBGU-Gutachten »Welt im Wandel« genannt, passend gemacht wird. Es muss halt zu seiner Utopie passen. Nicht sehr überzeugend und argumentativ sehr dünn. Brague hängt zwar keiner Utopie nach, dafür ist er in der Analyse weitaus überzeugender.

http://glitzerwasser.blogspot.com/2013/10/latiner-teutonen-und-die-zukunft-europas.html

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