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Neuester Beitrag

Hindenburgplatz oder Schlossplatz?

Interview mit Dr. André Donk über die Hindenburg-Debatte in Münster

Die leidenschaftlich geführten Debatten um die Umbenennung von Straßen, Plätzen oder öffentlichen Gebäuden hat in den vergangenen Jahren Formen eines neuen Kulturkampfes angenommen. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die die Erinnerung an bestimmte Personen für unzeitgemäß oder sogar skandalös halten, auf der anderen diejenigen, die sich auf heimatliche Kontinutät berufen und ihren Gegnern das Auslöschen von Geschichte vorwerfen. Exemplarisch dafür war die Auseinandersetzung um Carl Diem. Doch kaum woanders wurde so erbittert um den Namen eines Platzes gerungen wie in Münster. Dort sollte der Hindenburgplatz in Schlossplatz umbenannt werden - was letztlich auch so umgesetzt wurde. Der Kommunikationswissenschaftler Dr. André Donk hat im Nachblick die Rolle der Medien in der sogenannten Hindenburg-Debatte untersucht und darüber einen Aufsatz verfasst. Wir haben ihn dazu interviewt.

L.I.S.A.unterwegs

Theorie - Praxis und Lebensform

Interview mit Prof. Dr. Philipp Felsch über das Zeitalter der Theorie nach 1945

Mit einem Merve-Band in der Jackentasche bezeugte man in den 1970er und 1980er Jahren vor allem eines: Theorie zu lesen - darunter Bücher von Michel Foucault, Gilles Deleuze, Félix Guattari, Roland Barthes, Jean Baudrillard oder Paul Virilio. Wer deren Texte las, gehörte damals nicht nur einem bestimmten intellektuellen Milieu an, sondern demonstrierte damit auch eine konkrete Lebensform. Der Historiker Prof. Dr. Philipp Felsch von der Humboldt-Universität zu Berlin hat in seinem Buch Der lange Sommer der Theorie: Geschichte einer Revolte diese besondere Lese- und Lebenslandschaft von 1960 bis 1990 nachgezeichnet. Wir haben ihn in seinem Büro besucht, um ihm unsere Fragen zur seinem Verständnis von Theorie im Kontext von Philosophie, Praxis und Kritik zu stellen.

Migration

"Das Attribut 'Anwerbung' ist irreführend"

Interview mit Prof. Dr. Heike Knortz über die frühe Arbeitsmigration in Europa

Die Geschichte der Arbeitsmigration nach dem Zweiten Weltkrieg ist nicht neu und geht in etwa so: vor allem West-Deutschland brauchte nach den hohen Verlusten an Menschen und Material viele neue Arbeitskräfte, um das Land neu aufzubauen, und griff dabei auf das große Arbeitslosenreservoir im Süden Europas zurück. Den bilateralen Anwerbeabkommen folgten Millionen von sogenannten Gastarbeitern aus Italien, Jugoslawien, Spanien, Griechenland und der Türkei, die nach Deutschland, Frankreich und in die Benelux-Staaten auswanderten. So das gängige Narrativ. Die Wirtschaftshistorikerin Prof. Dr. Heike Knortz von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe hat Zweifel an dieser Erzählung und eine andere Geschichte der europäischen Migration und Integration nach 1945 geschrieben. Wir haben...

Gender

"Die Württembergerin wurde verehrt, die Preußin geliebt, die Hessin geachtet"

Interview mit Dr. Marianna Butenschön über russische Kaiserinnen deutscher Herkunft

Der russische Zar Peter I. verfolgte das Ziel, Russland nach Westen zu öffnen und als euröpäische Macht zu etablieren. Einen Schlüssel dazu sah er in der Einführung europäischer Sitten am Zarenhof, die er sich nicht zuletzt von Prinzessinnen deutscher Herkunft versprach, indem sie mit russischem Thronfolgern vermählt wurden und so auf den Zarenthron gelangten. Die bekannteste unter ihnen war Katharina II., die 1729 als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst in Stettin geboren wurde. Ihr folgten weitere Prinzessinnen, darunter Sophie Dorothee von Württemberg, Charlotte von Preußen als Kaiserin Alexandra von Russland und Alix von Hessen-Darmstadt. Die Historikerin Dr. Marianna Butenschön hat zwei von ihnen in einzelnen Biographien porträtiert. Wir wollten von ihr...

Philosophiegeschichte

China – und warum transkulturell komparative Philosophiegeschichtsforschung und interkultureller Dialog zählen

China ist für den transkulturell ausgerichteten Philosophiehistoriker und zugleich gegenwartsbezogenen Weltphilosophen ein höchst interessanter Ort. Hier bietet sich die Chance, die europäische Philosophietradition mit einer Tradition des Denkens transkulturell zu vergleichen, die aus anderen Ursprüngen gewachsen ist und die bis zum Ende des 16. Jahrhunderts (Stichwort: jesuitische China-Mission) keine Fühlung mit der abendländischen Philosophie hatte.

Diplomaten im Dialog

Palmyra – Nepal – Timbuktu: Kulturgut in Gefahr

Fishbowl-Diskussion "Diplomaten im Dialog" im Industrie-Club Düsseldorf

Krieg, Terrorismus und Naturkatastrophen bedrohen weltweit das kulturelle Erbe der Menschheit. Auch soziale und wirtschaftliche Krisen bergen Gefahren für Kulturstätten. Die Zerstörungen der mesopotamischen Stadt Ninive und der antiken Handelsoase Palmyra drohen historisches Erbe ebenso auszulöschen wie das verheerende Erdbeben in Nepal. Was ist zu tun? Darüber diskutieren untereinander sowie mit dem Publikum der Leiter der Kultur- und Kommunikationsabteilung des Auswärtigen Amts, Dr. Andreas Görgen, die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts, Prof. Dr. Friederike Fless, Dr. Hans-Dietrich Winkhaus, Präsident des Verwaltungsrats von CARE Deutschland-Luxemburg, sowie Dipl.-Ing. Ibrahim Salman, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Orient-Abteilung des Deutschen...

Konferenzdiplomatie

The Problem of International Order at the Versailles Conference and After

Conference Speech by Prof. Dr. Adam Tooze | "200 Years of Conference Diplomacy"

"What does it mean to historicize and to contextualize?," Adam Tooze, Professor of History and the Director of the European Institute at Columbia University, asks in his presentation about the dominant narrative of the 200-year history of conference diplomacy. He explains, that diplomatic history of the modern times tends to be narrated as a sequence of highlights and lowlights, arrayed along a U-shaped rollercoaster: at one end we have the aristocratic sophistication of the Congress of Vienna. At the other end we have the density and technical complexity of modern conference diplomacy. Along this trajectory it is commonplace to draw unfavorable contrasts. But how robust is this narrative of grand contrasts?

Betriebsdemokratie

"Betriebsräte waren immer eine 'politische' Institution"

Interview mit Dr. Klaus Neumann über Betriebsdemokratie und Betriebsräte

In der Institution des Betriebsrates manifestiert sich ein zentraler gesellschaftlicher und politischer Konflikt: Freiheit oder Sicherheit? Der Historiker Dr. Klaus Neumann hat sich in diesem Zusammenhang der Frage angenommen, wie sich in Wirtschaftsunternehmen beide Konzepte zueinander verhalten. Wie lässt sich der Anspruch auf soziale Sicherheit, beispielsweise auf einen sicheren Arbeitsplatz, mit der vielbeschworenen unternehmerischen Freiheit vereinbaren? In seinem Dissertationsprojekt untersuchte Dr. Klaus Neumann dazu die Geschichte der Betriebsdemokratie und Betriebsräte in Deutschland und in Schweden für den Zeitraum von 1880 bis 1950. Nun liegt sein Buch mit dem Titel Freiheit am Arbeitsplatz vor. Wir haben ihm dazu unsere Fragen gestellt.