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Georgios Chatzoudis | 15.12.2015 | 4316 Aufrufe | 2 | Interviews

"Arbeiterwiderstand hatte die größten Verluste zu beklagen"

Interview mit Stefan Heinz über Gewerkschaftswiderstand im Nationalsozialismus

Dass Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur leisteten und dabei die größten Verluste zu verzeichnen hatten, ist heute weitgehend unbekannt. Arbeiterinnen und Arbeiter verschiedener Berufe, wie beispielsweise Metaller und Eisenbahner, aber auch unterschiedlicher politischer Gesinnung, darunter vor allem Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten, widersetzten sich der nationalsozialistischen Entmachtung und Gleichschaltung der vielfältigen Gewerkschaftskultur der Weimarer Republik. Welche Formen der Widerstand genau annahm, wer ihn organisierte und wie er heute erinnert wird, dazu haben wir Dr. Stefan Heinz vom Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin unsere Fragen gestellt.

Dr. Stefan Heinz und die neueste Publikation über emigrierte Metallgewerkschafter aus der Buchreihe »Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration«, die seit 2012 von Siegfried Mielke und Stefan Heinz im Metropol Verlag herausgegeben wird.

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"Arbeiterwiderstand hatte die größten Verluste zu beklagen"

L.I.S.A.: Herr Dr. Heinz, gemeinsam mit Prof. Dr. Siegfried Mielke erforschen Sie den gewerkschaftlichen Widerstand gegen das NS-Regime. Denkt man an deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, fallen einem in der Regel der 20. Juli 1944, die Weiße Rose und vielleicht noch die Edelweißpiraten ein. An Gewerkschafter denkt man dabei eher nicht. Wie kam es bei Ihnen zu dieser Schwerpunktsetzung?

 

Dr. Heinz: Ihre Frage zeigt, wie wenig der Gewerkschaftswiderstand in der öffentlichen Erinnerung präsent ist. Der vielfältige Arbeiterwiderstand gegen das NS-Regime - darin der Widerstand von Gewerkschaftern/innen eingeschlossen - war umfangreich. Arbeiterwiderstand wies eine erhebliche Kontinuität auf und hatte die größten Verluste zu beklagen. Wahrscheinlich sind sogar weit mehr als zwei Drittel der Menschen, die in den Jahren zwischen 1933 und 1945 Widerstand leisteten, dem Arbeiterwiderstand zuzuordnen. Nach einer gewissen Konjunktur in den 1970er und 1980er Jahren und einer anschließenden jahrelangen Flaute wächst wieder das Interesse, sich mit Arbeiter- bzw. Gewerkschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert insgesamt auseinanderzusetzen. Dennoch ist eine große Zahl der Gewerkschafter/innen, die während der NS-Herrschaft Widerstand leisteten und verfolgt wurden, in Vergessenheit geraten. Die Folgen des „Anpassungskurses“ der Verbände des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) im Frühjahr 1933 führten lange Zeit zur Annahme, es habe kaum Gewerkschaftswiderstand gegeben. In den Verbänden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat man sich regelrecht geschämt angesichts des als „Versagen“ und „Schmach“ empfundenen Verhaltens der Vorläuferorganisation ADGB im Frühjahr 1933.

Häftlinge im KZ Oranienburg im Jahr 1933. In dem bei Berlin gelegenen „frühen“ KZ wurden viele Gewerkschafter und Mitglieder der Arbeiterparteien SPD und KPD inhaftiert.

In den letzten Jahren setzte sich allerdings in Teilen der Geschichtswissenschaft die Sichtweise durch, dass der Beitrag von Gewerkschaftern/innen zum Widerstand und der Umfang ihrer Verfolgung sowohl in der Forschung als auch in der Öffentlichkeit viel zu lange unterschätzt wurden. Dass sich dieser veränderte und zugleich erinnerungsgeschichtlich bedeutsame Blick auf die deutsche Gewerkschaftsgeschichte in der Endphase der Weimarer Republik und während des NS-Regimes etabliert hat, ist nicht zuletzt Siegfried Mielke, emeritierter Professor am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, zu verdanken. Mielke hat eine Reihe von Forschungsprojekten zum Thema „Gewerkschafter/innen im NS-Staat - Verfolgung, Widerstand, Emigration“ angeschoben. Unter anderem hat er mich als „Doktorvater“ mit einer Studie zum kommunistischen Gewerkschaftswiderstand intensiv betreut und fachlich gefördert. Daraus ist eine jahrelange Zusammenarbeit entstanden, aus der mehrere Publikationen hervorgegangen sind. Eine von Siegfried Mielkes Thesen, die inzwischen auf vielfältigste Weise belegt werden konnte, lautet, dass nicht wenige Gewerkschafter/innen, die Anfang 1933 die „Anpassungspolitik“ an die NS-Ideologie mitmachten, sich nur wenige Monate später im Widerstand wiederfanden.

Prof. Dr. Siegfried Mielke

In den Jahren 1933 bis 1945 wurden Tausende Gewerkschafter/innen inhaftiert, eine Reihe kam ums Leben. Es gibt über diese Menschen, über die meist wenig öffentlich bekannt ist, noch sehr viel in den Archiven zu erforschen. Inzwischen bietet sich die Möglichkeit einer genaueren Analyse der zahlreiche Facetten ihres Widerstandes. Denn der Zugang zu jahrelang verschlossenen Archivalien ermöglicht eine Reihe neuer interessanter Forschungsergebnisse. Dies motiviert mich, am Thema weiterzuarbeiten. Die Forschungsergebnisse mit einer Gedenkkultur an die zahlreichen vergessen Gewerkschafter/innen zu verbinden, ist die wichtigste Aufgabe und eine Herausforderung zugleich.

"Die Organisationen in der Illegalität für die Zeit 'nach Hitler' erhalten"

L.I.S.A.: Die Nationalsozialisten haben gleich nach der Machtübernahme die bestehenden Gewerkschaften zerschlagen und gleichgeschaltet. Wie haben sich die Gewerkschafter/innen dazu verhalten? Gab es gleich zu Beginn Widerstand?

 

Dr. Heinz: Man muss zunächst erwähnen, dass es in der Weimarer Republik drei politisch-ideologische Richtungsgewerkschaften gab, die jeweils einen Dachverband besaßen. Dazu gehörten die der Sozialdemokratie nahestehenden ADGB-Gewerkschaften, die sich Freie Gewerkschaften nannten, mit der höchsten Mitgliederzahl. Hinzu kamen die kleineren Christlichen Gewerkschaften sowie die liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Aufgrund der Feindschaft zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten entstand zum Ende der Weimarer Republik die KPD-nahe Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO). Wie alle KPD-Nebenorganisationen wurde die RGO im Zuge der nach dem Reichstagsbrand erlassenen „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ Ende Februar 1933 für illegal erklärt. Die ADGB-Gewerkschaften wurden am 2. Mai 1933 zerschlagen. Die Christlichen Gewerkschaften, die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine und die Berufsgewerkschaften lösten sich selbst auf, wobei teils massiver Druck ausgeübt wurde.

Zerstörung von Unterlagen und Inventar bei der Besetzung des Gewerkschaftshauses in Leipzig am 2. Mai 1933

Zwar hatten einige führende Funktionäre der Freien Gewerkschaften wie zum Beispiel der Eisenbahngewerkschafter Hans Jahn bereits im Zusammenhang mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler die Ausrufung eines Generalstreiks erwogen. Doch diese Überlegungen wurden wegen der Gefahr gewalttätiger Konflikte und der durch die hohe Erwerbslosigkeit verursachten Schwächung der Arbeiterorganisationen verworfen. Die ADGB-Führung appellierte an die Arbeiter, „Disziplin“ zu wahren. Selbst als im März 1933 die Gewalt gegen Kommunisten und Sozialdemokraten für niemanden mehr übersehbar war, es überall im Reich zu Übergriffen auf Gewerkschaftshäuser kam und Betriebsräte abgesetzt wurden, konnte sich der Gewerkschaftsbund nicht zum Widerstand durchringen. Dessen Spitzenfunktionäre versuchten vielmehr, sich unter Betonung ihrer „nationalen Verantwortung“ mit den Nationalsozialisten zu arrangieren und auf diese Weise die Gewerkschaften zu erhalten. Die ADGB-Führung erklärte ihre Neutralität gegenüber der neuen Herrschaft. Auch akzeptierte sie Eingriffe in das bereits in den Jahren zuvor erodierte Tarifvertragssystem und ging auf Abstand zur SPD. Mit der SPD war bis dahin eine enge Allianz gepflegt worden. Alle von uns im Nachhinein differenziert zu bewertenden Versuche, sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren, konnten die mächtigsten Arbeitnehmerorganisationen der Welt nicht „retten“. Der Zeitpunkt der Zerschlagung der Freien Gewerkschaften unmittelbar nach dem „Arbeiterkampftag“ war bewusst gewählt. Erstmals zum Feiertag erklärt, diente der 1. Mai 1933 zur Demonstration einer vermeintlichen Einheit von NS-Bewegung und Arbeiterschaft. Die Anpassung der ADGB-Führung war unterdessen kurz zuvor derart weit gegangen, dass sie zur Teilnahme an den NS-Feiern anlässlich des „Tages der nationalen Arbeit“ aufgerufen hatte. Eine Selbstaufgabe schlechthin. Doch nicht vergessen werden darf: Weil sich die freigewerkschaftlichen Organisationen – trotz aller vor allem nationalistisch aufgeladenen Unterwerfungsgesten – den Kernbereich ihrer Arbeit – die Koalitionsfreiheit und die Schutzfunktion für Beschäftigte – nicht nehmen ließen, befanden sie sich im Widerspruch zur Gleichschaltungspolitik. Trotz ihrer strukturellen Schwäche waren sie nach wie vor ein Machtfaktor. Aus Sicht der NS-Führung mussten sie beseitigt werden. Dies geschah wenige Stunden nach dem Ende der Feiern zum 1. Mai 1933.

 

So fatal die „Anpassungspolitik“ der Freien Gewerkschaften Anfang 1933 war, umso weniger ist sie losgelöst von wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie der gewerkschaftlichen Strategie zum Ende der Weimarer Republik zu bewerten. Auch wenn im Frühjahr 1933 durchaus Basisgewerkschafter/innen auf einen Aufruf zur Abwehr der Nationalsozialisten warteten, sollte die dahinterstehende Schlagkraft nicht überschätzt werden. Die Politische Polizei stellte beispielsweise in einem Überwachungsbericht fest, dass mit Streiks „größeren Umfangs“ nicht zu rechnen sei. Auch die Agitation der kommunistischen RGO für einen Generalstreik sei nahezu „wirkungslos“ gewesen. Die RGO hatte den „Gewerkschaftsbonzen“ der ADGB-Verbände für ihre defensive Politik bereits seit Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 „Verrat“ vorgeworfen. In der Tat hatte die RGO bereits im Frühjahr 1933 den Widerstand aufgenommen. Sie versuchte, revolutionäre „Klassengewerkschaften“ aufzubauen. Damit waren Organisationen intendiert, die unabhängig von sozialdemokratischen Einflüssen in Opposition zum Nationalsozialismus aufgebaut werden. Sie sollten den „Massenwiderstand“ zur Herbeiführung der vermeintlich nahe geglaubten Revolution organisieren. Einige wenige RGO-Strukturen insbesondere in Berlin und im Ruhrgebiet konnten vergleichsweise feste Gruppen bilden. Sie blieben aber für nichtkommunistische NS-Gegner völlig unattraktiv. Da die Aktivitäten der RGO zu wenig an konspirative Erfordernisse angepasst waren, gelang es den Verfolgern schnell, die kommunistischen Gewerkschaftsgruppen zu schwächen.

 

Neuere Forschungen unter Leitung von Siegfried Mielke belegen aber vor allem: Erstaunlich viele sozialdemokratische Freigewerkschafter, insbesondere Funktionäre auf höherer und mittlerer Ebene der ADGB-Gewerkschaften, die zwar im Frühjahr 1933 mit ihrer Anpassungspolitik „versagten“, betätigten sich nur kurze Zeit später im Widerstand. Um es noch einfacher zu sagen: Weil die Anpassungspolitik nicht „funktionierte“, fanden sich bald viele ihrer Protagonisten aus den Reihen der Funktionäre im Widerstand wieder. Sicher gab es auch „Überläufer“, deren Zahl ist jedoch interessanterweise gerade in höheren Funktionärsebenen vergleichsweise gering. Die Widerständler hatten hingegen verstanden, dass nach Ansicht der Nationalsozialisten eine Interessenvertretung der Arbeiter keine demokratischen Rechte besitzen darf. Die als „Einheitsverband“ von Unternehmern und Lohnabhängigen gegründete Deutsche Arbeitsfront (DAF), die sich die „Ausrottung des Marxismus“ auf die Fahnen geschrieben hatte, akzeptierten sie aus guten Gründen nicht als „Ersatz“ für demokratische Gewerkschaften. Die DAF lehnte Arbeitskämpfe ab. Der Widerspruch zwischen Unternehmern und Lohnabhängigen sollte in ihr im Sinne der „Volksgemeinschafts“-Propaganda verschleiert werden. Tarifverhandlungen gab es nun nicht mehr, Selbstgestaltungsmöglichkeiten im Arbeitsverhältnis verschwanden. Streiks waren faktisch unter Androhung von Strafen verboten, weshalb widerständige Gewerkschafter/innen die NS-Regierung als „arbeiterfeindlich“ und als ihre Gegnerin ansahen. Noch im Jahr 1933 begannen eine Reihe Gewerkschaftsfunktionäre damit, ihre frühere Kollegen in den Verbandsbezirken aufzusuchen. Ihr Ziel bestand darin, die Organisationen in der Illegalität für die Zeit „nach Hitler“ zu erhalten.  

"Unter Metallgewerkschaftern/innen war die Auflehnung besonders intensiv"

L.I.S.A.: Wie sah der Widerstand der Gewerkschafter aus? Wo organisierten sie sich? Gab es bestimmte Berufsgruppen, die sich dabei hervorgetan haben? Wer waren die führenden Köpfe?

 

Dr. Heinz: Das Widerstandsnetz, das wahrscheinlich Tausende Gewerkschafter/innen einbezog, diente zunächst vor allem dazu, Auskünfte über die Situation in den Betrieben und die Stimmung der Arbeiter zu sammeln. Man ging davon aus, dass die Nationalsozialisten die Rüstung ankurbeln und sich die Arbeitsbedingungen verschlechtern würden. Die gesammelten Informationen flossen in Druckschriften ein, die im Exil hergestellt wurden. Diese Berichte zeigen, dass Denk- und Verhaltensweisen der Arbeiterschaft im Widerspruch zur NS-Propaganda einer in sich geschlossen vereinten „Volksgemeinschaft“ standen. Andererseits bedeutete Nichtzustimmung keineswegs automatisch widerständiges Handeln, wie manche vielleicht glauben. Wenn zeitliche Phasen betrachtet werden, wird oft unterschiedliches Verhalten in der gleichen Person entdeckt werden können. Kuriere aus den einzelnen Widerstandsstrukturen leiteten Berichte ins Ausland, von wo das Netzwerk Hilfe vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) und dem Exilvorstand der SPD (Sopade) erhielt. Gleichzeitig brachten Gewerkschafter/innen im Reich Zeitschriften in Umlauf und leisteten einen Beitrag für eine Gegenöffentlichkeit. Das risikoreiche gewerkschaftspolitische Engagement, das sich in einer Reihe Widerstandsstrukturen offenbarte, die zeitweise von einer „Illegalen Reichsleitung der Gewerkschaften“ (IRL), aber auch von einigen Reichsleitungen der ADGB-Einzelgewerkschaften und – zu einem späteren Zeitpunkt – der „Auslandsvertretung der deutschen Gewerkschaften“ (ADG) unterstützt wurde, ist in nahezu allen Berufsgruppen erkennbar. Allerdings war unter Metallgewerkschaftern/innen die Auflehnung besonders intensiv.

Ausgabe des „Roten Metallarbeiter“, Zeitschrift des illegalen Einheitsverbandes der Metallarbeiter Berlins, Oktober 1934.

Der Widerstand aus den Reihen des illegalen Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) ist verbunden mit den Namen bis heute nur wenig bekannter Gewerkschafter, z. B. dem des Berliner Bevollmächtigten Max Urich, dem des ehemaligen Verbandssekretärs Heinrich Schliestedt, dem des Leipziger DMV-Bezirksleiters Richard Teichgräber, dem des aus Halle stammenden DMV-Bezirksleiters Willy Rößler und dem des Arbeitsrechtler Erich Bührig. Sie beschlossen, Versuche zu unternehmen, die Metallgewerkschafter/innen in einer eher lockeren Struktur zusammenzufassen. Das Ziel bestand darin, ein dichtes Netz von Vertrauensleuten aufzubauen. Informationen, die beschafft wurden, waren Berichte über Lohn- und Arbeitsverhältnisse, Produktionsweise, Arbeitszeit sowie zur Einstellung der Lohnabhängigen zu den NS-Machthabern. Gleichzeitig wurde über die Möglichkeiten eines Wiederaufbaus des DMV und anderer Freier Gewerkschaften beraten werden. Später wurden Tarnfirmen wie „Goki“ für den Vertrieb von Rasierwasser, Seife, Fahrradschlösser und Versicherungen zur Koordinierung der illegalen Tätigkeiten genutzt.

Willy Rößler

Aufgrund zahlreicher Verhaftungen und anderer Maßnahmen der Gestapo war der Widerstand schon Mitte der 1930er Jahre erheblich geschwächt worden. Die Bemühungen, einen verzweigten Apparat auf Dauer zu etablieren, waren gescheitert. Dennoch setzten einige DMV-Zirkel ihre Arbeit bis zum Kriegsende fort. Besonders wichtig dafür war Heinrich Schliestedt, der maßgeblichen Anteil an der Gründung der IRL und ADG hatte. Andere führende DMV-Widerständler wie Alwin Brandes und Max Urich hielten direkten oder indirekten Kontakt zur etwas bekannteren Widerstandsgruppe um Wilhelm Leuschner, Jakob Kaiser und Max Habermann. Sie verfügten wiederum über Verbindungen in einige Rüstungsbetriebe sowie zu Carl Friedrich Goerdeler und anderen bekannten Widerständlern des gescheiterten Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944. In jahrelangen Diskussionen entwickelte der engere Kreis um Leuschner, Kaiser und Habermann für die Zeit nach dem Umsturz das Modell der „Deutschen Gewerkschaft“. Zu diesem Kreis hielten auch andere Gewerkschafter aus besonders aktiven freigewerkschaftlichen Widerstandsstrukturen wie z. B. aus den Reihen der Eisenbahner intensiven Kontakt. Im Rahmen der Prozesse gegen die Verschwörer des 20. Juli 1944 wurde Wilhelm Leuschner, der wohl bekannteste Vertreter des Gewerkschaftswiderstandes, Mitte August 1944 verhaftet und Ende September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Alwin Brandes

Ähnlich interessant wie die umfangreiche freigewerkschaftliche Struktur des DMV ist der illegale Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins (EVMB). Dieser kommunistische Verband stand nicht nur in Feindschaft zum NS-Staat, sondern auch zu den Freien Gewerkschaften wie dem DMV. Der EVMB, der sich zum „revolutionären Kampf“ bekannte, war 1930 als erster „roter Verband“ der RGO gegründet worden. Er war Ausdruck für die tiefe Spaltung der Arbeiterbewegung in Kommunisten und Sozialdemokraten. Wegen seiner problematischen Ausrichtung wurde der EVMB in der Historiographie in West- und Ostdeutschland nicht beachtet. Er bildete jedoch eine der größten explizit gewerkschaftlichen Widerstandsgruppen, die es gab. Allein in Berlin organisierten sich im Jahr 1933 bis zu 1.000 Mitglieder des Verbandes (von ehemals 13.000) und versuchten, dessen bisherige Aktivitäten aufrecht zu erhalten. Die Tätigkeit des Apparates war auf drei Bereiche gerichtet: auf die Propagandaarbeit und die Verteilung von Zeitschriften, auf die Kassierung von Beiträgen sowie auf die Sammlung und Weitergabe von Stimmungsberichten und anderen Informationen aus den Betrieben. Von EVMBlern wurden auch Versuche unternommen, Streiks zu initiieren. In einigen Fällen gelang dies sogar auf bescheidenem Niveau. An der Spitze des EVMB standen Rudolf Lentzsch, Walter Kautz, August Bolte und Wilhelm Bielefeld. Selbst „Kennern“ der deutschen Widerstandsgeschichte sind die Namen meistens nicht geläufig.

Rudolf Lentzsch

Der Widerstand aus den Reihen des EVMB vollzog sich – wie in der legalen Phase – im Rahmen der gegen die Sozialdemokratie gerichteten Politik. Bereits vor 1933 hatte sich im EVMB ein abgeschottetes, erheblich radikalisiertes „Milieu“ herausgebildet. Der Mangel an konspirativem Verhalten entsprach dem Selbstverständnis, „Massenwiderstand“ für den Sturz Hitlers und die Herbeiführung der Revolution zu organisieren. Diese Erhebung kam nicht zustande, wenngleich der EVMB viele illegale Aktivitäten entfaltete und die Nationalsozialisten in ihm eine besondere Gefahr erkannten. Aufgrund von heftigen Konflikten mit der ursprünglich nahestehenden KPD und wegen Verhaftungen konnten die Aktivitäten bald nicht mehr aufrechterhalten werden. Unabhängig davon bildete der EVMB den Ausgangspunkt für andere kommunistische Widerstandsgruppen in Berlin.

 

Abgesehen von genuin gewerkschaftlichen Widerstandsgruppen im Reich, die gerade in der Anfangs- und Endphase des NS-Regimes Bedeutung erlangten, leisteten Gewerkschafter/innen ab 1935/36 in der Emigration Aufklärungsarbeit über den NS-Staat. Dies gilt unter anderem für den „Koordinationsausschuss Deutscher Gewerkschaftler in Frankreich“ und die ab Anfang der 1940er-Jahre entstandenen „Landesgruppen deutscher Gewerkschafter“ in Schweden oder Großbritannien. Letztere Gruppen organisierten Mitglieder aller Richtungsgewerkschaften und führten bald unter Leitung von Hans Gottfurcht bzw. Fritz Tarnow Debatten über die Neuordnung Deutschlands. Diese Debatten hatten Auswirkungen auf zentrale Diskussionen im Kontext mit dem Wiederaufbau. 

Nachrichten der „Auslandsvertretung der Deutschen Gewerkschaften“, die 1937 illegal in Umlauf gebracht wurden.

"Man sollte sich Widerstand nicht nur spektakulär als Sabotageaktion vorstellen"

L.I.S.A.: Gewerkschaften waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zentrale gesellschaftliche und politische Akteure. Sie bauten Häuser, besaßen eigene Zeitungen, gründeten Banken und organisierten große Veranstaltungen. Konnten diese zahlreichen Netzwerke im Widerstand eingesetzt werden? Wie wirksam war überhaupt der Widerstand, über den so wenig bekannt ist?

 

Dr. Heinz: Die deutschen Gewerkschaften waren bis zu ihrer Zerschlagung am 2. Mai 1933 die größten der Welt. Und dies, obwohl zum Ende der Weimarer Zeit die Schwäche der Arbeiterorganisationen immer mehr zum Vorschein trat. Die Weltwirtschaftskrise hatte durch eine zunehmende Erwerbslosigkeit für eine Belastung gesorgt, der die Gewerkschaften kaum gewachsen waren. Dabei wirkte sich die tiefe Spaltung der Arbeiterbewegung hemmend auf die Abwehr sozialer Kürzungen und der Nationalsozialisten aus. Dennoch hatte sich kaum jemand vorstellen können, dass die Gewerkschaften von einem Tag auf den anderen nicht mehr existierten. Die Häuser und ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Es bildete die Basis für den Aufbau der DAF und deren kulturelle Aktivitäten. Insofern konnte zunächst kaum auf stille Reserven zurückgegriffen werden. Es gab aber auch Beispiele, dass Gewerkschafter/innen Gelder in Sicherheit brachten.

 

Gewerkschaftswiderstand fand im Reich wie in der Emigration in verschiedensten Formen seinen Ausdruck – vom Netzwerk aus Einzelpersonen über lose Gruppen bis zur festen Organisation. Dabei wurde sehr häufig auf Kontakte und Freundschaften, die lange Zeit vor 1933 „gewachsen“ waren, zurückgegriffen. Teilweise reichen die Freundschaftsnetzwerke, die im Widerstand relevant waren, bis in die Jugend der Beteiligten zurück. Interessant ist ebenso, dass Persönlichkeiten aus den Gewerkschaften, die vor der Machtübernahme Hitlers intensive Kontakte ins Ausland gepflegt hatten, auch nach 1933 darauf zurückgriffen. Kontakte ins Ausland hatten dabei sehr positive Auswirkungen, wie sich die Widerstandsarbeit vor Ort gestalten ließ. Sie waren wichtig dabei, dass sich Zeitschriften finanzieren und herstellen ließen und dass ein Austausch möglich wurde.

Ausgabe der „Neuen Gewerkschafts-Zeitung“, Organ der „Auslandsvertretung der deutschen Gewerkschaften“, hrsg. vom Internationalen Gewerkschaftsbund, Januar 1940.

Auffällig ist, dass Gewerkschafter/innen, die auf keine Verwurzelung in der Arbeiterbewegung zurückblickten, sich also spät gewerkschaftlich und politisch organisiert hatten, nach 1935/36 viel seltener für Widerstandstätigkeiten als die Älteren mobilisieren ließen. Man sollte sich Widerstand nicht nur spektakulär als Sabotageaktion vorstellen, wenngleich es so etwas auch gab – gerade in Rüstungsbetrieben. Gewerkschaftlicher Widerstand beinhaltete in erster Linie verschiedene Bestrebungen, den persönlichen Zusammenhalt zu wahren und Informationen über die Situation in den Betrieben zu sammeln und weiterzuverbreiten. Es ging auch darum, politische Aufklärung zu betreiben und dem NS-Terror etwas entgegenzuhalten und durch die Kontakte ins Ausland Überlegungen im Hinblick auf eine demokratische Neuordnung für die Zeit nach dem Ende des NS-Regimes anzustellen. Gemessen an dieser weitreichenden Definition war der Gewerkschafts- und Arbeiterwiderstand zumindest teilweise erfolgreich. Wenn man aber als Kriterium ansetzt, dass der Widerstand den Sturz des NS-Regimes hätte herbeiführen müssen, war er letztlich ohne Erfolg.

 

Vergessen wird allerdings viel zu oft, dass die Erfahrungen und Vorstellungen aus dem Widerstand – gerade aus dem Exil – in den Neuaufbau der Gewerkschaften, in die Regelung für industrielle Konflikte und das politische System der Bundesrepublik Deutschland einflossen: Es entstand eine in Industrieverbände gegliederte Einheitsgewerkschaft, die weitreichende Forderungen in Fragen der Mitbestimmung propagierte. Dennoch hatten die Widerständler die Situation zu idealistisch mit Blick auf die Realisierung zahlreicher antikapitalistischer Forderungen nach Vergesellschaftung und Wirtschaftsplanung eingeschätzt. Die Umsetzung weitgehender sozialistischer Forderungen ließen weder die gesellschaftliche Stimmung noch die Alliierten zu.  

"Wie wichtig es ist, dass Arbeitnehmer/innen ihre Interessen solidarisch durchsetzen"

L.I.S.A.: Woran liegt es heute, dass man beim Thema Widerstand zuerst an die Militärs rund um den 20. Juli erinnert, andere Formen des Widerstandes aber in Vergessenheit zu geraten drohen? Hat das offizielle Gedenken in diesem Zusammenhang eine politische Note?

 

Dr. Heinz: Es stimmt in jedem Fall, dass in der Öffentlichkeit die Annahme dominiert, es habe neben den „Männern des 20. Juli“, den Kirchen, der „Weißen Rose“ und den „Edelweißpiraten“ kaum Widerstand gegeben. Dazu muss gesagt werden, dass es ein langer Weg war, dass der Widerstand aus verschiedenen Teilen der Bevölkerung überhaupt als „legitimer Widerstand“ gegen die NS-Diktatur gewürdigt wurde. Letztlich galten auch die Attentäter des 20. Juli 1944 zumindest bis in die 1960er-Jahre in einem nicht unbedeutenden Teil der bundesdeutschen Bevölkerung als „Vaterlandsverräter“. Darüber konnten die traditionsreichen offiziellen Feiern des Bundesregierung anlässlich des Jahrestages des missglückten Attentates auf Hitler nicht hinwegtäuschen. Während damals die DDR-Historiker auf den KPD-Widerstand fixiert blieben, wurden in der Bundesrepublik ab den 1970er-Jahren Vorstöße von meist jüngeren Leuten aus der Studentenbewegung gemacht, Fragen zur Vielfalt der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung und deren Widerstand gegen das NS-Regime zu thematisieren. Die Widerstandsforschung, die den Arbeiter-/Gewerkschaftswiderstand als Gegenstand der historischen Forschung betrachtet, war also „von unten“ erkämpft.

 

Nach 1989/90 entstand die kuriose Situation, dass bisher nicht zugängliche Archivakten neue Forschungen ermöglichten, die Förderung für entsprechende Projekte zunächst aber erheblich zurückgefahren wurde. Dies entsprach einer neuen Erinnerungskultur, in der Arbeiterwiderstand, gerade weil er sich zum Teil als revolutionär verstand, schlicht nicht mehr angesagt war. Auch Gewerkschaften verloren in dieser Zeit in der gesellschaftspolitischen Debatte an Bedeutung. Hinzu kam, dass der Arbeiter- und Gewerkschaftswiderstand immer mit einer mehr oder minder anzustrebenden sozialistischen oder kommunistischen Perspektive verbunden war. Da war es egal, ob dieser Widerstand in Widerspruch zum Parteisozialismus stand oder nicht. Das Kapitel galt als abgeschlossen, die Leerstellen wurden als irrelevant angesehen. In dieser Situation zeigte sich auch ein Versagen der DGB-Gewerkschaften, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, sie mit Stärken und Schwächen anzunehmen und ihre Geschichte im besten Sinne souverän aufzuklären. Widerständige Gewerkschafter/innen hatten kaum noch eine Lobby, der es ein Bedürfnis war, sich in ihre Tradition zu stellen und ein Gedenken zu pflegen – und dies, obwohl viele der Gewerkschafter/innen bei ihrem Widerstand nie eine späte Gewissensentscheidung wie der Kreis der Verschwörer des 20. Juli 1944 nötig hatten. Sie waren so gut wie nie derart intensiv in das NS-System integriert. Auch hinterließen Gewerkschafter/innen weniger Selbstzeugnisse. Das machte sie eher uninteressant.

 

Heute droht durch den zeitlichen Abstand insgesamt die Gefahr, dass der Widerstand gegen das NS-Regime schrittweise in Vergessenheit gerät. Ein Grund dafür liegt sicher darin, dass es kaum noch überlebende Widerständler gibt. Hinzu kommt, dass das Deutsche Reich von außen besiegt werden musste und der deutsche Widerstand nicht selbständig in der Lage war, Hitler zu stürzen. Auch trägt zu diesem Zustand bei, dass sich der Fokus in der Forschung inzwischen viel stärker auf die verbrecherische Shoah und die Gründe des Mitmachens in einem totalitären System konzentriert. Dadurch gerät die Quantität und Qualität der gesamten Bandbreite des deutschen Widerstandes aus dem Blickfeld. Umso erfreulicher ist, dass bei der diesjährigen Gedenkfeier der Bundesregierung anlässlich des Jahrestages des 20. Juli 1944 erstmals ein hochrangiger Gewerkschaftsvertreter, der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, die Gedenkrede hielt. Schließlich erinnerte die Gedenkfeier an „vergessene“ Gewerkschafter wie den Linkssozialist Paul Wegmann und die zahlreichen Verbindungen des gewerkschaftlichen Widerstandes zum Kreis um Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Der 20. Juli 1944 war viel mehr als ein nur von adeligen Militärs der Wehrmacht verübter Aufstandsversuch, der scheiterte. Sicher haben sowohl die Bundesregierung als auch Angehörige und Nachfahren des 20. Juli 1944 die Fokussierung auf das militärische Gedenken jahrelang forciert. Allerdings hat sich bei der nachkommenden Generation der Blick insofern etwas verschoben, als dass sie am 20. Juli den deutschen Widerstand in all seinen Facetten gewürdigt sehen wollen. Schließlich wird das Gedenken auf diese Weise den Akteuren des 20. Juli 1944 tatsächlich gerecht. Den wenigsten ist bis heute bekannt, dass viele Personen außerhalb der Wehrmacht in die Attentatspläne involviert waren, dass es detaillierte Pläne für eine Nachkriegsordnung unter Beteiligung ziviler Verwaltungsstrukturen gab und dass es Verbindungen zu Gewerkschaftern/innen, zu Sozialdemokraten/innen und sogar zu Kommunisten/innen gab.

Paul Wegmann mit Ehefrau Anni und Tochter Annelore, Herbst 1931.

Doch nicht nur im Hinblick auf das jährliche Gedenken an den 20. Juli 1944, auch aus unseren Erfahrungen im Rahmen des Projektes an der Hochschule ist bekannt, das das Wissen über den NS-Terror, seine Ursachen, über Verfolgung und Widerstand noch kein politisches Bewusstsein und Verhalten im Hier und Heute hervorruft – auch dann nicht, wenn das Interesse wie im Moment am Thema wieder steigt. In der Konsequenz liegt eher eine Historisierung des Gegenstandes, durch die das NS-Regime als Epoche begriffen wird, zu dem Gegenwartsbezüge gesucht und moralische Wertungen herangetragen werden. Die Forschung muss gerade im Zusammenhang mit den Themen Verfolgung und Widerstand Grundlagen für die Erinnerungskultur legen. Den „Erinnerungsauftrag“ haben andere, weil sie etwas aus den Ergebnissen der Widerstandsforschung im Zusammenhang mit ihrer Geschichte „machen“ müssen. Die DGB-Gewerkschaften sind dabei auch für uns ein Adressat, da sie das Gedenken an die Widerständler aus den eigenen Reihen zu einem Bestandteil einer noch zu entwickelnden gelebten Erinnerungskultur machen müssen. Dabei sind die Themen Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus nur ein Thema. Nicht erst die jüngste Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, dass Arbeitnehmer/innen ihre Interessen solidarisch durchsetzen. Rechtspopulismus und Politikverdrossenheit sollten aufrütteln. Durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dem Blick auf Entwicklungen in der Gegenwart kommt der Auseinandersetzung mit der historischen Gewerkschaftsbewegung eine zentrale Aufgabe bei der Erhaltung der Demokratie zu.

Dr. Stefan Heinz hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

Kommentar

von Dr. phil. Klaus Neumann | 16.12.2015 | 12:17 Uhr
Interessantes Interview! Innovativ finde ich den Ansatz, nachzuverfolgen, inwiefern Gewerkschaftsfunktionäre, die sich 1933 zunächst einmal "gleich schalteten" bzw. gleich schalten ließen, ihre Meinung im Laufe der nächsten Jahre änderten.

Wahrscheinlich lag der Fokus der Geschichtsschreibung tatsächlich auch zu lange auf der obersten Führungsebene und allein auf dem ADGB (bzw. in der DDR-Geschichtsschreibung auf der KPD), so dass Teile des gewerkschaftlichen Widerstands aus dem Blick gerieten. Ich frage mich, ob dazu nicht auch beitrug, dass das Gros der Gewerkschafter im Exil nach 1945 im Nachkriegsdeutschland nicht Fuß fassen und daher auch das Gedenken an ihre eigene Leistung kaum beeinflussen konnte. Ausgehend von den Publikationen der Landesgruppe schwedischer Gewerkschafter schien es mir, dass die Mehrheit der gewerkschaftlichen Exilanten 1945ff nicht nur deswegen frustriert war, weil sich ihre Pläne im Nachkriegsdeutschland u.a. aufgrund des Widerstands der Alliierten kaum umsetzen ließen. Vielmehr vor allem deswegen, weil sie bei den in Deutschland gebliebenen Genossen, die in der Zeit des NS völlig andere Erfahrungen gemacht hatten als die Exilanten, keinerlei Unterstützung oder auch nur Interesse fanden. Einige (wenige?!) nennenswerte Ausnahmen wie Fritz Tarnow bestätigen vielleicht diese Regel.

Interessant wäre darüber hinaus auch noch eine Einordnung in dern internationalen Kontext, wie z.B. mit dem Arbeiterwiderstand in Österreich.

Kommentar

von Peter senft | 12.02.2016 | 13:37 Uhr
Mir fehlt bei dieser Darstellung, dass man bei Gewerkschaftern die Anpassung unmittelbar nach 02 05 1933 als schwerwiegender ansieht als die Anpassung von Stauffenberg und Offiziers und adelsgenossen bis zum polenfeldzug1939 und 1940. Wo war denn der widerständler Stauffenberg in den Jahren 1934 bis 1939 und hat die Widerständler der Gewerkschaften unterstützt? Stauffenberg und Co haben 1944 Trauerarbeit geleistet , um ihre Schuld abzutragen. Peter Senft berlin

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